Nachhaltige Landwirtschaft

Aktuell genutzte gentechnisch veränderte Pflanzen

Seit 1996 werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, zuerst in Nordamerika, inzwischen von mehr als 15 Millionen Landwirten in 29 Ländern auf allen Kontinenten. Die Flächen, auf denen 2008 gentechnisch veränderte Pflanzen ausgebracht wurden, betrugen weltweit knapp 150 Millionen Hektar – das ist mehr als vierfache Fläche Deutschlands.

Die wichtigsten Kulturpflanzen, bei denen gentechnisch veränderte Sorten landwirtschaftlich genutzt werden, sind Soja, Mais, Raps, Baumwolle und seit 2007 Zuckerrüben. Die mit gentechnischen Verfahren neu eingeführten Merkmale sind Herbizidtoleranz und Resistenzen gegen schädliche Insekten.

Herbizidtoleranz. Das System aus toleranten Pflanzensorten und dem dazu passenden „Komplementärherbizid“ ermöglicht eine einfache und wirksame Unkrautbekämpfung. Die Landwirte können damit nicht nur Arbeitszeit einsparen, sondern auch Maschineneinsatz und Treibstoffe. Dadurch sinkt der CO2-Ausstoß.

Auch wenn sich die eingesparte Menge je nach Kulturart und regionalen Bedingungen unterscheiden kann - in der Regel werden mit dem neuen System weniger Herbizide benötigt als bei der konventionellen Unkrautbekämpfung. Vor allem aber: Die Landwirte können die Menge der Herbizide und Zeitpunkt des Ausbringens je nach tatsächlichem Unkrautaufkommen dosieren.

Zudem sind die im System mit den gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzten Herbizide in der Regel weitaus umweltverträglicher und werden schneller biologisch abgebaut als viele der im konventionellen Anbau verwendeten Wirkstoffe.

Im Sojaanbau der USA haben sich herbizidtolerante Sorten inzwischen nahezu flächendeckend durchgesetzt. „Die Entwicklung herbizidtoleranter Sojabohnen“, so ein aktueller Report, ist der wichtigste Beitrag zu einem nachhaltigen Unkrautmanagementkonzept in der Sojaerzeugung.“ Mit dem neuen Konzept sind in der Regel weniger Spritzgänge nötig, um Unkräuter wirksam zu regulieren. Vor allem aber: Es ermöglicht den Landwirten, auf bodenschonende Anbautechniken umzusteigen. Ein großer Teil der Soja-Farmer verzichtet inzwischen ganz auf das Pflügen. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und wirkt der Bodenerosion entgegen.

Gentechnisch veränderte Sorten mit Herbizidtoleranz gibt es bei Soja, Mais, Baumwolle und Raps. In der Europäischen Union ist bisher keiner dieser Pflanzen für den Anbau zugelassen.

Insektenresistenz. Das zweite neue Merkmal in den derzeit landwirtschaftlich genutzten gentechnisch veränderten Pflanzen ist eine Resistenz gegen schädliche Insekten. Sie geht zurück auf einen Wirkstoff (Bt-Protein), der von einem Bodenbakterium gebildet und in der ökologischen Landwirtschaft schon seit langem zur Schädlingsbekämpfung verwendet wird.

Nach der Übertragung des entsprechenden Gens auf Kulturpflanzen produzieren diese das Bt-Protein und sind damit gegen Schädlinge geschützt. Es gibt verschiedene Varianten des Bt-Proteins, die jeweils gegen bestimmte Schädlinge wirken, etwa gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, oder gegen den Maiswurzelbohrer, einen Käfer, aber auch gegen verschiedene Baumwollschädlinge.

Gentechnisch veränderte Pflanzen, die eine oder auch mehrere Varianten des Bt-Proteins bilden, gibt es bei Mais und Baumwolle. Sie werden derzeit weltweit auf etwa 50 Millionen Hektar angebaut. Auch bei anderen Kulturarten, etwa Aubergine, Sonnenblume, Apfelbäumen oder Pappeln werden auf Basis des Bt-Konzepts neue schädlingsresistente Pflanzen entwickelt.

Das Bt-Konzept kann auf unterschiedliche  Weise zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen:

  • Auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zur Schädlingsbekämpfung kann ganz oder teilweise verzichtet werden.
  • Die Felder müssen weniger oft mit Maschinen befahren werde. Dadurch sinkt der Treibstoffverbrauch.
  • Die Ernteverluste durch Schädlingsbefall werden drastisch reduziert.
  • Das Bt-Protein wirkt spezfisch auf die jeweiligen Schädlinge. Andere Tierarten, die auf den Agrarflächen leben (Nicht-Zielorganismen) werden weitaus weniger geschädigt als bei der chemischen Unkrautbekämpfung. Wie zahlreiche Untersuchungenn belegen, ist die Artenvielfalt auf Feldern mit Bt-Pflanzen ist in der Regel höher als auf konventionell bewirtschafteten Feldern.

Im Schaugarten

Herbizidresistente Zuckerrüben. Unkrautregulierung bei Zuckerrüben ist aufwändig. Mit dem neuen Konzept könnte sie erheblich einfacher und umweltfreundlicher werden. MEHR

 

Viel Mais. Im Schaugarten werden verschiedene konventionelle und gentechnisch veränderte Maissorten gezeigt. Einige nutzen das Bt-Konzept, um Schädlinge abzuwehren, andere besitzen eine Herbizidresistenz . MEHR

 

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Schaugarten 2011

Junge Wissenschaftler aus sieben Ländern besuchen den Schaugarten.

 

Erfahrungen mit dem Anbau von Bt-Mais in Spanien

Die Studie der "Gemeinsamen Forschungsstelle" der EU-Kommission hat die bisherigen Erfahrungen beim Anbau von gentechnisch verändertem Bt-Mais in Spanien ausgewertet. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie:

  • In Regionen mit starkem Schädlingsbefall (Maiszünsler) könnten die Landwirte durch Bt-Mais ihren Ertrag um durchschnittlich 6,3 Prozent und ihr wirtschaftliches Ergebnis um 13 Prozent verbessert.
  • Durch die die Nutzung von Bt-Mais konnte der Bruttogewinn um etwa hundert Euro pro Hektar gesteigert werden.
  • Die höheren Kosten für das Bt-Saatgut können die Landwirte durch deutlich geringere Ertragsausfälle und Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln kompensieren.

Quelle: JRC Scientific and Technical Reports (2008): Adoption and performance of the first GM crop introduced in EU agriculture: Bt maize in Spain

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