Gummi aus Löwenzahn

Er ist klein und unscheinbar, und doch könnte er einen begehrten Rohstoff liefern: Der russische Löwenzahn produziert natürlicherweise Kautschuk, einen unverzichtbaren Bestandteil vieler Gebrauchsgegenstände. Heute wird der weltweite Bedarf zu über neunzig Prozent aus Kautschukbaumplantagen in Südostasien gedeckt. Doch in absehbarer Zeit könnte es zu Engpässen kommen, denn die Nachfrage steigt stetig, während Krankheitserreger und Wetterextreme den Kautschukbäumen zunehmend zu schaffen machen. Deshalb sucht man in Europa und den USA nach zusätzlichen Bezugsquellen.

Der russische Löwenzahn produziert in seinen Wurzeln einen Milchsaft, der hochwertigen Kautschuk enthält. Zudem finden sich große Mengen von Inulin, das als Ersatzstoff für Zucker genutzt werden kann. Löwenzahn ist eine anspruchslose Pflanze, die wenig Düngung und Unkrautbekämpfung benötigt. Sie wächst auf nährstoffarmen Flächen, die für andere landwirtschaftliche Nutzungen uninteressant sind. Daher würde ihr Anbau nicht mit dem von Nahrungspflanzen konkurrieren. Ein Konsortium aus öffentlichen Forschungseinrichtungen und Firmen arbeitet derzeit an den Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Kautschukgewinnung und -verarbeitung aus Löwenzahn in Europa.

Die Pflanzenzüchtung hat dabei zwei Probleme zu lösen: Zum einen gerinnt der Milchsaft beim Aufschneiden der Löwenzahnwurzel sehr schnell, zum anderen sind die Wurzeln stark verzweigt, was ihre Verarbeitung erschwert. Mit einer Standardmethode, der Mutagenese, versucht man, Löwenzahnpflanzen zu züchten, deren Milchsaft eine bessere Fließfähigkeit aufweist. Außerdem soll der russische Löwenzahn mit anderen Löwenzahnarten gekreuzt werden, die eine Pfahlwurzel besitzen, um so Pflanzen mit weniger verzweigten Wurzeln zu erhalten.

Im Schaugarten werden erste Linien des neu gezüchteten Löwenzahns getestet.

Stand: 2011


 


Der russische Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) bildet in seinen Wurzeln einen Milchsaft, der hochwertigen Kautschuk enthält.

Anzucht von Löwenzahn im Gewächshaus

Kautschuk

Naturkautschuk ist ein Gemisch aus langkettigen organischen Molekülen, das im Milchsaft verschiedener zumeist tropischer Pflanzen enthalten ist. Er dient dem Schutz der Pflanzen, indem er verletzte Stellen abdichtet. Durch den Prozess des Vulkanisierens, bei dem Kautschuk mit Schwefel erhitzt wird, werden die Molekülketten miteinander vernetzt, und man erhält Gummi.

Gummi wird in einer Vielzahl von Gebrauchsgegenständen eingesetzt: Von Operationshandschuhen und Kathetern über Matratzen und Sportgegenstände bis hin zu Dichtungen und Reifen. Der größte Teil des heutzutage verwendeten Kautschuks ist zwar synthetisch hergestellt, dennoch ist Gummi aus Naturkautschuk in vielen Produkten unverzichtbar, da er aus anderen organischen Molekülen besteht und andere Eigenschaften aufweist. In Pkw-Reifen hat er beispielweise einen Anteil von bis zu fünfundzwanzig Prozent.
 

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