Pilzresistenter Weizen: Grundlagenforschung

Brandpilze befallen Weizen und andere Getreidearten. Sie verbreiten sich über die Samen. Wissenschaftler der ETH Zürich haben ein neues Konzept entwickelt, wie sich Weizenpflanzen selbst gegen solche Krankheiten schützen können. Sie haben dazu ein natürliches Abwehrsystem aus Mais auf Weizen übertragen.

Die Versuche im Schaugarten Üplingen sollen grundlegende Erkenntnisse über die Wirkungsweise dieses neuen Resistenzansatzes liefern.

Weizenflugbrand: Ein geschickter Parasit

Der Flugbrand-Pilz durchläuft in jedem Jahr einen Lebenszyklus. Äußerlich sind befallene Pflanzen zunächst nicht zu erkennen. Erst wenn sich die Ähren ausbilden, zeigt sich eine braunschwarze Sporenmasse. Wind und Regen können die Sporen verbreiten. Ist eine Pflanze damit infiziert, dringt der Pilz in das sich entwickelnde Korn ein. Wird es in der nachfolgenden Vegetationsperiode ausgesät, wächst der Pilz mit der aufkeimenden Pflanze, bis er in den Ähren erneut ein Brandsporenlager bildet.

Zur Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten wird Weizen-Saatgut heute routinemäßig gebeizt. Eine Züchtung resistenter Weizensorten ist schwierig, da es keine verwandten Arten mit geeigneten Resistenzgenen gibt, die sich in Kulturweizen einkreuzen ließen. Zwar kennt man einige Resistenzgene, doch sie sind nur gegen bestimmte Brandpilzarten wirksam.

In Europa spielen Brandpilze keine große Rolle, jedoch in einigen Entwicklungsländern. Die Kleinbauern dort können nicht jedes Jahr teures Saatgut kaufen, sondern verwenden einen Teil ihrer Ernte für die Aussaat im kommenden Jahr. Befinden sich brandinfizierte Körner darunter, tragen die Landwirte ungewollt zu einer raschen Verbreitung der Pilzkrankheiten und einer Anhäufung in den eigenen Beständen bei. Weltweit, so schätzt das internationale Getreideforschungszentrum CIMMYT, verursachen Brandpilze Ernteausfälle zwischen fünf und zehn Prozent.

Forschung live: Weizen - resistent gegen Brandpilze?

 

Klicken Sie hier um die Bilderstrecke zu starten (9 Bilder)

Freilandtest unter realistischen Bedingungen

Erste Tests im Gewächshaus und Freilandversuche in der Schweiz haben gezeigt, dass das Konzept funktioniert und Pilzinfektionen abmildern kann. Dabei haben sich auch die Erwartungen bestätigt, dass ausschließlich der Schadpilz gehemmt wird, nicht aber andere Pilze oder Bodenmikroorganismen.

Im Schaugarten wird in erster Linie untersucht, ob die neue Resistenz gegen Weizenbrand unter verschiedenen Umweltbedingungen wirksam ist. Auf kleinen Parzellen stehen zwei konventionelle Weizensorten sowie eine weitere, die über das neue Schutzkonzept verfügt. Bei allen Varianten wurde jeweils ein Teil der Samen mit Flugbrand infiziert. Im Verlauf der Vegetationsperiode wird sich zeigen, wie sich die Weizensorten unter dem Druck der Pilzinfektion verhalten. Die Stärke der pflanzlichen Abwehrkraft lässt sich daran ablesen, wie stark die Versuchspflanzen im Vergleich zu den konventionellen Kontrollpflanzen befallen werden.

Bei dem gentechnisch veränderten Weizen mit der neuen Pilzresistenz handelt es sich um einen Prototyp, der in dieser Form nicht auf den Markt gebracht werden wird. Die Erkenntnisse, welche die Versuche im Schaugarten liefern, werden in die weitere Entwicklung pilzresistenter Nutzpflanzen einfließen.
 

Ist das in den Weizen eingeführte Abwehr-Protein tatsächlich wirksam gegen Brandpilze? Haben Standortbedingungen einen Einfluss? Grundlagenforschung im Schaugarten Üplingen.

Video

Flashfilm ansehen

Forschung: Neue Konzepte gegen Weizenflugbrand

Ein Film des Instituts für Pflanzen- wissenschaften der ETH Zürich und des Alimentarium Food Museums, Vevey (Schweiz 2004)

 

Ein raffiniertes Konzept gegen Brandpilze

Grundsätzlich ist eine Züchtung von pilzresistenten Weizensorten möglich. Doch sie ist sehr zeitaufwändig und setzt kreuzbare Arten voraus, die geeignete Resistenzgene besitzen. Das ist jedoch nicht für alle Brandpilze der Fall.

Die Wissenschaftler an der ETH Zürich gingen einen anderen Weg: Sie haben einen aus Mais bekannten natürlichen Schutzmechanismus mit gentechnischen Verfahren auf Weizen übertragen. Dessen Wirkung beruht auf einem Protein (KP4), mit dem ein Virus im Mais bestimmte Arten des Beulenbrandpilzes unterdrückt. Die Idee war, die Gene für das Abwehrprotein des Virus auf Weizen zu übertragen, damit es auch dort gegen eingedrungene Brandpilze wirkt und so dessen Widerstandsfähigkeit verbessert. Der Vorteil: Das KP4-Protein wirkt sehr spezifisch gegen bestimmte Brandpilze, nicht jedoch gegen andere nützliche Pilze, die auf oder im Wurzelbereich der Pflanze leben.

 
 

info[at]schaugarten-ueplingen.de · Tel.: 039404 66-372 · Fax: 039404 66-371