Zuckerrüben: Ein neues Konzept
zur Unkrautregulierung
Das Problem: Konkurrenzdruck durch Unkräuter
Nach der Aussaat entwickeln sich die jungen Zuckerrübenpflänzchen sehr langsam. Wildgräser oder Unkräuter sind meist schneller und konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Schon sehr früh – kurz vor oder nach dem Auflaufen der Zuckerrüben – müssen die Landwirte mit der Beseitigung der Unkräuter beginnen. In der Regel werden dazu mindestens dreimal Pflanzenschutzmittel (Herbizide) aufgebracht. Möglich ist auch eine mechanische Bekämpfung, die jedoch teuer und arbeitsaufwändig ist.
Ohne Unkrautmanagement würde der Ertrag im Zuckerrübenanbau um rund 75 Prozent reduziert - abhängig vom Unkrautdruck.
Ein neuer Ansatz: Herbizidtolerante Zuckerrüben
Mitte der 1990er Jahre begann die Entwicklung herbizidtoleranter Zuckerrüben. Das Ziel war eine einfache, wirksame und umweltfreundliche Bekämpfung von Unkräutern im Zuckerrübenanbau.
Die Zuckerrübe H7-1, die auch im Schaugarten Üplingen zu sehen ist, verfügt über eine Toleranz gegenüber dem Wirkstoff Glyphosat (Markenname: RoundupReady). Dieses Breitbandherbizid blockiert ein bestimmtes Protein (Eiweiß), das in den grünen Teilen aller Pflanzen vorkommt. Dadurch wird das Wachstum der Pflanzen unterdrückt, so dass sie nach einiger Zeit absterben. Im Gegensatz dazu ist die neue Zuckerrübe unempfindlich gegen Glyphosat-Herbizide. Diese Eigenschaft verdankt sie einem neu eingeführten Gen, das aus einem Bodenbakterium stammt. Es "neutralisiert" die Wirkung des Herbizids.
Diese gentechnisch veränderten Zuckerrüben eröffnen neue Möglichkeiten einer wirksamen und zeitlich flexiblen Unkrautbekämpfung. Zudem werden weniger Herbizide benötigt als im herkömmlichen Anbau. Dadurch können die Landwirte Arbeitszeit und Maschinenkosten sparen – und das bedeutet weniger Energieverbrauch und eine geringere CO2-Belastung. Außerdem kann die Bodenbearbeitung reduziert und damit der Bodenerosion vorgebeugt werden. Eine Erwartung ist auch, dass es künftig einfacher sein wird, das Schadschwellenprinzip anzuwenden, also nur dann zu spritzen, wenn es vom Unkrauftaufkommen her notwendig ist. Insgesamt kann dies einen positiven Einfluss auf die Biodiversität im Feld während der Vegetation haben.
Erst in Kombination mit herbizidtoleranten Sorten kann Glyphosat auch im Zuckerrübenanbau eingesetzt werden. In Deutschland ist der Wirkstoff seit 1976 zugelassen. Er ist schnell abbaubar und reichert sich nicht im Boden an. Glyphosat ist nur wenig toxisch für Mensch und Tier.
Parzellen im Schaugarten
Im Schaugarten werden herbizidtolerante H7-1 Zuckerrüben angebaut. Sie werden zwei Mal mit Glyphosat-Herbiziden (Roundup) behandelt.
Zum Vergleich stehen auf den Nachbarparzellen:
- Kontrollvariante mit konventioneller Herbizidbehandlung (Behandlungen in frühen Wachstumsstadien der Unkräuter)
- Kontrollvariante mit mechanischer Unkrautregulierung
- Kontrollvariante ohne Unkrautbehandlung
Bis zur Ente können die Besucher des Schaugartens beobachten, wie sich die Zuckerrüben - und die Unkräuter - auf den verschiedenen Parzellen entwickeln.

Junge Zuckerrüben können sich gegen Unkräuter kaum durchsetzen. Im Schaugarten wird ein neues Konzept erprobt, wie Landwirte besser mit diesem Problem fertig werden könnten.
Information Zuckerrübe H7-1
Zuckerrübenanbau weltweit
Weltweit werden auf 4,6 Millionen Hektar Zuckerrüben angebaut. Die wichtigsten Anbauregionen liegen in der EU (33,9 %), in Russland (21,5 %) und den USA (10,7 %). Die Zuckerrübenflächen in der gesamten EU betragen 1,56 Millionen Hektar, die führenden Anbauländer sind Deutschland (23,5%) und Frankreich (23,7 %). Etwa 21 Prozent der weltweiten Zuckerproduktion stammt aus Zuckerrüben.
In Deutschland ist die Anbaufläche wieder angestiegen. 2011 bauen mehr als 33.000 Landwirte auf einer Fläche von 396.000 Hektar Rüben an.
Herbizidtolerante Zuckerrüben in den USA
In den USA wurde die herbizidresistente Zuckerrübe 2007 auf dem Markt eingeführt. Drei Jahre später hat sie sich weitgehend durchgesetzt: Ihre Fläche beträgt 470.000 Hektar, über 95 Prozent der amerikanischen Zuckerproduktion. Das ist weit mehr als der gesamte Zuckerrübenanbau in Deutschland. Auch im Jahr 2011 werden die herbizidresistenten Zuckerrüben trotz eines laufenden Klageverfahrens in den USA auf ca. 95 Prozent der Anbaufläche wachsen. Ein Indiz für die breite Akzeptanz unter den amerikanischen Landwirten.
Herbizidtolerante Zuckerrübe in der EU?
Ein Anbau der herbizidresistenten Zuckerrübe in Europa ist frühestens ab 2015 zu erwarten. Bisher ist ihr Anbau in der EU noch nicht erlaubt. 2007 hat die EU jedoch ihre Verwendung als Lebens- und Futtermittel 2007 genehmigt. Damit ist auch die Einfuhr von Zucker oder Futtermitteln möglich, die aus diesen gentechnisch veränderten Zuckerrüben hergestellt wurden.
Kennzeichnung
Zucker ist ein hochreines Produkt und unterscheidet sich stofflich nicht, je nachdem ob er aus konventionellen oder gentechnisch veränderten Rüben hergestellt wurde. Dennoch ist in der EU Zucker aus gentechnisch veränderten Zuckerrüben kennzeichnungspflichtig.
Video
Schaugarten 2011
Junge Wissenschaftler aus sieben Ländern besuchen den Schaugarten.
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